Coronapfad / Corona Path

Am 30. März 2020 begonnen / Started on March 30th 2020

Spaziergang, täglich, zur Wiese an der Autobahn, diese queren, dann zurücklaufen, ein etwa einstündiger Rundweg. In einem kleinen Stück Brachland zwischen Autobahn, Gehölz, Acker und Wiese aus Feldsteinen einen Steinhaufen aufgesetzt, am 2. April 2020. Dieser bildet den einen Anfangs- oder Endpunkt, je nach Gangrichtung, eines Pfads über die Wiese, den ich im Laufe der Zeit mit meinen Schritten ausformen möchte. Vom Steinhaufen aus zu einem deutlich über die sonstige Grasnarbe hinausreichenden einzelnen Grashorst in 178 Schritt Entfernung, von dort aus abknickend nach Nordwest weitere 75 Schritt bis zum großen zweistämmigen Weißdorn, der hinter der Wiese und dem daran angrenzenden befestigten Feldweg steht und den zweiten Ziel- oder Anfangspunkt bildet. Jeden Tag einen neuen Stein zum Steinhaufen dazufügen. Am Ostersonntag (12.04.2020) zudem noch einen Feldahornsämling aus den Kostheimer Rheinauen in Verlängerung des Pfads hinter den Steinhaufen ausgepflanzt. Bei der Wiese handelt es sich um eine nährstoffreiche, artenarme Fettwiese - niemals würde ich einen solchen Pfad auf einer artenreichen Wiese mit seltenen oder gefährdeten Arten austreten.

Warum Corona? Zum Einen ganz banal weil der Pfad zur Zeit der Corona-Pandemie entsteht. Zudem weil durch Corona der Bewegungsradius einschränkt ist, man auf seine Wohnung und das direkte Umfeld beschränkt bleibt und neue Tagesabläufe entstehen, neue Routinen. Ein Gehen im Kreis. Wodurch aber auch neue Wege abseits der bereits vorhandenen entstehen können. Und ja, natürlich ist dieser Pfad stark beeinflusst von der Arbeit von Richard Long (insbesondere natürlich von "A line made by walking") und vom Pfad, den Paweł Althamer anlässlich der Skulptur Projekte 2007 in Münster ausgetreten hat. Beides Künstler, die ich sehr schätze und denen ich hiermit auch eine Referenz erweisen möchte.

A daily walk to the meadow beside the highway, crossing the meadow, walking back home - about an hour's walk. Build a cairn on April 2nd of field stones in a small piece of fallow between the highway, a coppice, arable and the meadow. This Cairn is one starting point (or end, depending on the direction of the walk) of a path across the meadow that I want to shape with my feet in the course of time. From the cairn 178 steps to a single tuft of grass that grows strikingly higher than the the rest of the meadow, then a turn northwest and further 78 steps to a large two-stemmed hawthorn that grows behind the meadow and the adjacent country lane and that defines the second end or starting point. Adding every day a new stone to the cairn. Planted a field maple seedling from the Kostheim Rhine floodplain on Easter Sunday behind the cairn in the line of the path. It's a nutrient rich and species poor meadow - I'd never walk a path on a species rich meadow with rare or endangered species.

Why Corona? On one hand trivially because this path comes into existence during the corona-pandemic. Furthermore, because corona limits our moving space, confines us to our homes and the direct surroundings. Thus new daily routines develop. Walking in circles. By what new ways might be formed apart from the already existing ones. And yes, obviously, this work is strongly influenced by the work of Richard Long (especially his "A line made by walking", of course) and the path left in Münster by Paweł Althamer on the occasion of the Skulptur Projekte 2007. Both being artists I deeply appreciate and to whom I want to pay my respects herewith.

 

 

 

Intermezzo

 

Sonntag, 10. Mai 2020: Der 42. Tag des Coronapfads - da ich ihn auf 12 x 7, also 84 Tage angelegt habe, ist nun die Hälfte der Wegstrecke zurückgelegt. (12 und 7 wie mein Geburtstag - und auch ansonsten haben diese zwei Zahlen im Hinblick auf Zahlensymbolik ja einiges zu bieten.) Das Gras steht teilweise schon hüfthoch, ich rechne damit, dass die Wiese bald gemäht wird. Ob ich dann nach der Mahd meinen Pfad wieder finde?

Die erste heiße Phase der Corona-Pandemie scheint vorüber zu sein, die Ausgangsbeschränkungen sind und werden weiter gelockert. So langsam kommt hinter den eine Zeitlang alles andere überdeckenden Corona-Nachrichten wieder die Erkenntnis hervor, dass keines der wirklich großen menschengemachten Probleme dieser Erde - Klimawandel, der dramatische Verlust an biologischer Vielfalt, die Ausbeutung und Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen - auch nur ansatzweise einer Lösung näher geführt worden wäre. /

Sunday, May 10th 2020: The 42nd day of Corona-Path - as I conceived it for 12 x 7, hence 84 days, half of the distance is covered. (12 and 7 as my birthday - and don't these two numbers have a lot to offer in regard to numerology?). The grass grows already waist-high, I reckon the meadow will be cut soon. Will I find my path again, after the mowing?

The first climax of the coronavirus pandemic seems to be over, the restictions of the lockdowns are loosened more and more. Slowly the consciousness returns that none of the really big manmade problems of the earth - climatic change, the dramatic loss of biological diversity, the depletion and destruction of our natural ressources - is the least nearer to being solved.

 

Weitergehen / Walking further